AUS DEM ORCHESTERGRABEN
Werner Zudrell – seit der Gründung des Symphonieorchesters Vorarlberg mit dabei
Werner Zudrell beim Erzählen über die Zeit der Entstehung des Symphonieorchesters Vorarlberg zuzuhören, ist für jüngere Kollegen ein höchst informativer Einblick in die kulturpolitische Vergangenheit des Landes. Der Cellist ist nicht nur seit Anbeginn des SOV dabei, sondern war aktiv an dessen Entstehung beteiligt. „Nach der Gründung durch Bernd Becher und Aldo Kremmel war es vor allem Christoph Eberle und seiner Beharrlichkeit zu verdanken, dass das SOV nicht irgendwann versandete wie einige frühere Versuche, einen professionellen Klangkörper in Vorarlberg zu installieren.“
Musik studiert hat Werner Zudrell zuerst in Salzburg bei Heidi Litschauer, Aufführungspraxis beim damals noch heftig angefeindeten Nicolaus Harnoncourt, und anschließend bei Heinrich Schiff im ehemaligen Bregenzer Konservatorium. Als junger Bursch in Salzburg hat er zwei Jahre bei H.C. Artmann gewohnt: „Dort sind Leute wie Ernst Jandl, Peter Rosei, Gerhard Rühm oder Wolfgang Bauer ein- und ausgegangen, da hab ich mindestens soviel über Kultur erfahren wie am Mozarteum.“
Für Zudrell hat das Orchester eine tolle Entwicklung genommen: „Gérard Korsten hat durch gezielte Programmauswahl eine großartige Aufbauarbeit geleistet. Inzwischen werden Stücke gespielt, an die man sich noch vor einigen Jahren nicht herangewagt hätte. Zwar hätte es einfachere Wege gegeben, bei Musikern und Publikum anzukommen, dafür wird Musik geboten, die man sonst in Vorarlberg kaum zu hören bekommen würde, zum Beispiel Bartoks Divertimento, Der Bürger als Edelmann von Richard Strauss usw.“ Als besonders positiv streicht der an den Musikschulen Bregenz und Großes Walsertal tätige Pädagoge die Freude an der Arbeit im SOV heraus. Nie habe er das Gefühl gehabt, in „den Dienst“ gehen zu müssen.
Für die Zukunft wünscht sich Werner Zudrell, dass mehr getan wird, um auch jüngeres Publikum in Konzerte zu bringen. „Das Symphonieorchester Vorarlberg ist ein sich immer wieder verjüngender Organismus, es kommen ständig junge Musiker dazu, inzwischen schon Schüler von ehemaligen Schülern. Das würde ich mir auch für das Publikum wünschen.
Es gibt so viele musikalische Kinder und Jugendliche im Land, die eigentlich nur eine Initialzündung bräuchten. Die Abo-Konzerte sind dazu nicht der geeignete Rahmen. Eine Möglichkeit wären kleinere Ensembles, die mit einem guten Konzept auch kleinere Gemeinden bespielen könnten, wie es z. B. Sonus Brass praktiziert.“
Werner Zudrell spielt aktuell seine 122. Produktion in unseren Reihen: „Das Mahler-Projekt ist großartig, ein Geschenk. Kirill Petrenko hat bislang eine Bilderbuchkarriere hingelegt, basierend auf fachlicher Kompetenz verbunden mit positiver Autorität. Als Musiker MUSS man ihm und seinen Ideen einfach folgen.“
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